Die Kunst des Zuhörens

Zuhören ist eine Tugend, die in unserer Gesellschaft nur allzu schnell vergessen wird. Wir denken zwar, wir seien anwesend und aufmerksam, doch häufig ist das nicht der Fall. Aktives Zuhören ist ein Teil des Lebens in Achtsamkeit und wahrer Präsenz. Deine Wahrnehmung kann sich durch einfach erlernbare Techniken entscheidend verbessern und damit zu einem ganz neuen Lebensgefühl beitragen.

Hörst du noch oder erkennst du schon?

Zuhören kann man lernen! In einer Welt des multimedialen Wahnsinns haben viele von uns innerlich schon die Ohren herunter geklappt, ohne es überhaupt zu merken. Wir stopfen unsere Kanäle täglich mit Informationen und visuellen Eindrücken voll, so dass kaum noch jemand die wahrhaftigen und feinen Zwischentöne menschlicher Kommunikation wahrnehmen kann. Allzu schnell sind wir aufgrund unseres Wissens und alter Erfahrungen mit vorschnellen Urteilen dabei. Damit nehmen wir uns wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse.
Also heißt es für Dich: üben, üben, üben. Spiele mit sprachlichen Wendungen und probiere dabei immer neue Assoziationen mit Worten aus. Hierzu kannst Du Situationen heranziehen, die bereits geschehen sind. Wiederhole sie im Kopf und denk Dir eine treffsichere Antwort aus.

Am Anfang steht die Beobachtung

Vielleicht unterhältst du dich mit einem Menschen, den du schon lange kennst. Du meinst diesen Menschen in und auswendig zu kennen und kennst eigentlich auch all die Geschichten schon. Du meinst genau zu wissen, was er oder sie sagen möchte und vielen Reden kannst du innerlich auch schon voraus greifen … dann beginne einfach mal damit, dich, deine Gedanken und inneren Urteile wahrzunehmen. Das kannst du gut während eines geschäftlichen Meetings für einige Augenblicke ausprobieren und natürlich auch im privaten Gespräch mit dem Partner oder einem guten Freund. Es reicht anfangs völlig, immer wieder diese für das Alltagsbewusstsein verborgenen Automatismen wahrzunehmen.

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Du möchtest mehr über das Thema erfahren? Das Buch „achtsam sprechen – achtsam zuhören: Die Kunst der bewussten Kommunikation“ zeigt dir worauf es beim richtigen Zuhören und Sprechen ankommt. Mit Mitgefühl und Achtsamkeit seinem Gegenüber zu begegnen und hilft Missverständnisse zu vermeiden, Konflikte friedvoll zu lösen und mit einer effektiven Kommunikation sein eigenes Wohlbefinden und das der anderen zu steigern.

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Einseitige Konditionierung

Wir Menschen haben verlernt, unsere Sinne wahrhaftig einzusetzen und zu nutzen und nur allzu gerne möchten wir glauben, alles bereits zu wissen, zu kennen und zu verstehen. In der Schule bringt man uns bei, dass alles Wissen absolut und die Welt berechenbar sei. Schnell entstehen durch solche Didaktiken Einbahnstraßen und genau so entwickelt sich schließlich auch unser Leben. Das menschliche Gehirn filtert die Wahrnehmung und das ist auch gut so. Ein Mensch kann unmöglich alle Eindrücke, die ihn umgeben, gleichzeitig verarbeiten. Allerdings können uns diese Filter, wenn sie allzu starr und undurchlässig sind durch allzu starre Sichtweisen und erlernte Doktrinen auch ganz schön im Weg sein.

Die Sinneswahrnehmung verfeinern

Nimm dir Momente nur für das Hören! Draußen in der Natur wird dir das anfangs sicher leichter fallen, als im aktiven Gespräch mit einem Menschen. Auch abends wenn du in der U-Bahn sitzt: stell deinen Augenfokus ein wenig auf Unschärfe, fixiere nichts mehr und konzentriere dich stattdessen jeden Augenblick auf das Gehörte. Kannst du hören wie die Schienenführung der U-Bahn läuft und welche Geräusche sie erzeugt? Versuch das öfters, auch im Cafè oder auf der Parkbank, achte einmal auf die Geräusche, die du sonst ausfilterst. Diese Einheiten aktiven Zuhörens können anfangs winzig klein sein, einige Sekunden reichen bereits und später werden es Minuten und mehr. Du wirst auch merken, wie tief entspannend diese Übung wirkt.

Selektive Wahrnehmung

Wie bereits erwähnt, nehmen wir unsere Welt durch Filter wahr. In der Regel werden die Filter angewandt, die sich für unser Überleben als nützlich erwiesen haben und solche, die unserer allgemeinen Geisteshaltung entsprechen. Letztere ist geprägt von unserer Erziehung, Bildung, dem sozialen Umfeld usw.. Dir ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, wie viel dein Gehirn ausfiltert und was du alles gar nicht wahr nimmst! Eine gute Übung hierzu kann sein, dir einen Film einige Male hintereinander anzusehen. Du wirst bemerken, dass dir irgendwann Szenen und Details auffallen, die du vorher noch nie wahr genommen hast, selbst, wenn du den Film bereits kanntest. Weiterhin wirst du feststellen, dass die aktiven Filter zu deiner jeweiligen Stimmung passen. Selektive Wahrnehmung bestimmt darüber, welchen Teil der Welt du siehst und wo du deine Schwerpunkte setzt.

Lebendige Kommunikation

Wenn du deine Ohren etwas geschult hast, kannst du beginnen, Menschen aktiv zu zuhören. Öffne dich für das, was diese Menschen wirklich sagen. Wenn du bisher gewohnt warst, andere Menschen oft zu unterbrechen, auch weil du immer gerne deine eigenen Erfahrungen und Standpunkte einbringen möchtest, dann lass das für eine Zeit bewusst sein und höre einfach nur zu. Um dich dann in ein Gespräch einzubringen kannst du folgende Techniken anwenden.

1. Paraphrasieren

Wenn du aufmerksamer zuhörst, wirst du vielleicht bemerken, dass du doch nicht immer alles so einhundertprozentig verstehst und viele Lücken bisher mit deinen Interpretationen gefüllt hast. So entstehen leicht Missverständnisse, die durch freundliches Nachfragen vermieden werden können. Phrasen wie „Ich habe das jetzt so verstanden …“, „Möchtest du mir sagen, dass …“ oder auch „Das klang für mich wie …“ leiten das Paraphrasieren ein.
Du wirst lernen, wie oft du dich bisher geirrt hast und du verbesserst deine Fähigkeit zur Empathie enorm.

2. Aktive Bestätigung

Gemeinsamkeit schafft Vertrauen. Bestätige dein Gegenüber ab und zu, indem du zustimmend nickst oder Sätze wie „Das sehe ich ganz genauso“, „Ich gebe dir Recht“ oder „Ich teile deine Einstellung“ verwendest. Natürlich solltest du das auch nur dort sagen, wo du die Meinung deines Gegenübers tatsächlich teilst und unterstützt. Aktives Zuhören sollte nicht dazu missbraucht werden, anderen Interesse zu signalisieren, wo es in Wahrheit nicht vorhanden ist. Bist du anderer Meinung, kannst du das ebenfalls sachte und trotzdem bestätigend einleitend „Ich kann verstehen, dass du das so siehst, dennoch möchte ich …“.

Fazit

Aufmerksamere Gespräche können auch dazu führen, dass du zwischen einem anderen Menschen und dir Dinge, die dir zuerst nicht gefallen, wahrnimmst. Vielleicht bemerkst du einen Mangel an Vertrauen, oder auch dass dein Gegenüber kein Interesse an einer offenen Kommunikation hat. Das kann dir am Arbeitsplatz genauso wie im Freundeskreis passieren. Oftmals betrifft das Menschen in unserem Umfeld, die sehr egoistisch sind und keinerlei Fähigkeit zur Empathie besitzen. Aktives Zuhören, auch deiner selbst, kann dir auch dabei helfen, Dinge und Menschen, die dir einfach nicht gut tun, in deinem Umfeld besser wahrzunehmen.

Aktives Zuhören und eine lebendige Kommunikation sind wichtige Bestandteile von gegenseitiger Wertschätzung geprägter Beziehungen. In unseren schnelllebigen und oftmals sehr oberflächlichen Welt haben wir diese Tugend oftmals verlernt. Es lohnt sich, das Hören neu zu entdecken und gleichzeitig die Welt auf eine ganz neue Weise zu erfahren.

Wie setzt du es aktuell um? Hinterlasse in den Kommentaren deine Erfahrungen und Tipps zum Thema zuhören.

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